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Gemälde

 Gottscheer als bildende Künstler, von Michael Ruppe, akad. Maler und Bildhauer, 1930


Ansichtskarten

Wenn im nachstehenden von bildenden Künstlern die Rede ist, die aus dem Gottscheer Lande stammen oder Söhne von Gottscheern sind, die sich in der Welt niederließen, so sei im vorhinein bemerkt, daß es sich nur um bildende Künstler der Gegenwart handelte,
die mit wenigen Ausnahmen noch eben und noch tätig sind. Wenigstens ist es dem Verfasser dieses Aufsatzes nicht bekannt geworden, daß Gottscheer irgendwo, zu irgend einer Zeit, als Maler, Bildhauer oder Architekt tätig waren.Um so mehr stolz können die Gottscheer auf ihre Männer sein, die in der Gegenwart einen Namen unter den vielen Tausend Künstlern haben, die in Österreich und Deutschland schaffen. Soll doch München allein an 15.000 Künstler und Künstlerinnen beherbergen.
Als Gottscheer Nachkomme ist vor allem Karl Meditz zu nennen. In Wien geboren, widmete er sich zunächst dem Kaufmannsstande. Bald erkannte er aber, daß ihm dieser Beruf nicht das gebe, zu was sein Inneres ihn zwang. Er widmete sich deshalb dem Kunststudium und gab seinen ersten Beruf bald auf. Eine Zeitlang hielt sich Meditz in der Künstlerkolonie Dachau bei München auf, später übersiedelte er nach Dresden, wo er alsbald eine hervorragende Stellung unter der dortigen Künstlerschaft einnahm. Der Verfasser, der von Meditz allenthalben viel gehört hatte, besuchte ihn vor etwa 35 Jahren in Dresden. Der Künstler schuf damals eben an einem Werke, welches ihm die vollste Anerkennung gebracht hat. Es waren Porträts bekannter und berühmter Dresdner Persönlichkeiten, an welchen Meditz damals zeichnete. Dieselben waren groß gehalten, aber delikat bis auf die Einzelheiten in der Durchführung. Der Verfasser war überzeut, daß Meditz eine schöne Zukunft als Maler offen stehe und er ein vielgenannter Künstler werden würde.

Nicht lange Zeit hernach veranstalteten Meditz und dessen Gattin, eine ebenfalls sehr tüchtige Künstlerin, in Wien eine große Ausstellung, die ihm und seiner Frau mit einem Schlage zu großen Erfolgen verhalf. Alle Zeitungen priesen die Eigenart der beiden Schaffenden. Für die Moderne Galerie wurden von beiden mehrere größere Werke erworben. Auch in München, wo beide später ausstellten, blieb ihnen der Erfolg treu. Die Königliche Galerie in Dresden erwarb auch ein Werk von Meditz. Leider starb Frau Meditz kurz nach den ersten großen Erfolgen. Zur Zeit hält sich Karl Meditz in Zürich auf, von wo er auf einige Zeit nach Rom gehen will.

Nächst Meditz muß Pater Suitbert Lobisser, Stift St. Paul im Lavanttale, erwähnt werden. Als Sohn eines Lehrers in Kärnten geboren, wurde Lobisser Pater. Als solcher konnte er an der Wiener Akademie Kunststudien obliegen, um dann am Stift als Zeichenlehrer tätig sein zu können. Zahlreiche Bilder schuf Pater Lobisser für Kirchen und Kapellen, zuletzt hat er das Landhaus in Kärnten mit prachtvollen Bildern geschmückt. Sein Hauptwerk aber bleibt der Holzschnitt. Als Graphiker findet Pater Lobisser überall, wo er ausstellt, bei Künstlern und Kritikern, begeistertes Lob. Schon früher mit der goldenen Staatsmedaille ausgezeichnet, erhielt er auch im Vorjahre bei der Sommerausstellung im Salzburger Künstlerhause die einzige bei der Ausstellung zu vergebende goldene Staatsmedaille. Pater Lobissers Werk ist durchaus eigenartig, kernig, echt künstlerisch. Er hat sich einen Stil angeeignet, ähnlich dem Albrecht Dürrers, markig, voll sprühenden, sprudelnden Lebens. Lobissers Vater stammt aus Koflern bei Mitterdorf.

In Wien wirkt der Maler J. Stalzer. Als Sohn eines Wiener Geschäftsmannes, den der Verfasser kannte, trat Stalzer nach seinen Schulstudien an der Wiener Kunst-Akademie als Schüler ein. Noch bevor Stalzer Schüler der Akademie wurde, hatte der Schreiber dieses Gelegenheit, Arbeiten Stalzers zu sehen, die schon damals ein großes Talent vermuten ließen. Als Porträt- und Landschaftsmaler tätig, wurde Stalzer als Maler zu den Friedensverhandlungen von Brest- Litovsk berufen, um dort die anwesenden hervorragenderen Persönlichkeiten zu zeichnen. Stalzer wirkt noch heute in Wien.

Sowohl Stalzers als auch Meditz Vater stammen aus Nesseltal. Von dort ist auch der Handelsmann Eisenzopf gebürtig, dessen Sohn ein ganz hervorragender Bildhauer in Budapest geworden sein soll, doch weiß der Verfasser von ihm nur vom Hörenfragen. Eisenzopfs Sohn hätte sich magyarifieren lassen, u. zw. soll derselbe sich den Namen Vashadi erwählt haben. Als Künstlername in Budapest ist er dem Verfasser nicht fremd geblieben. Von Vashadi sollen Denkmäler vor der Ofner Burg herrühren.

Ebenfalls aus Nesseltal stammend muß Fräulein Gramer in Wien genannt werden. Malerin und Kunstgewerblerin hat Fräulein Gramer in Wien und München studiert. Der Verfasser hat ihren Vater gekannt. Fräulein Gramer wirkt noch in Wien. Viele ihrer schönen kunstgewerblichen Arbeiten sollen nach Amerika gehen.

In Wien studiert und die Akademie absolviert hat Roman Petsche. In Gottschee als Sohn des Gymnasialprofessors Petsche geboren, welcher nun in Salzburg wirkt, hat Petsche junior mit Beginn des heurigen Schuljahres eine Anstellung als Zeichenlehrer am Salzburger Gymnasium erhalten. Petsche zeichnete sich ganz besonders durch eine schöne Kompositionsgabe aus und seine Zukunft läßt schöne Früchte erwarten.

Mit Julius Fornbacher, geboren am 4. September 1880 als Sohn des Tischlermeisters Fornbacher in Gottschee, wurde Gottschee ein großes Talent durch den grausamen Krieg in noch jungen Jahren entrissen. Fornbacher hat zunächst die Fachschule für Holzindustrie in Gottschee besucht, war dann durch drei Jahre (von 1895-98) Schüler der Grazer Staatsgewerbeschule. Von 1905-1911 Schüler der Akademie der bildenden Künste in Wien, erhielt dortselbst einen Künstlerpreis und die silberne Fuger Medaille. Als Mitarbeiter für das Budapester Milleniumsdenkmal gesucht wurden, wurde Fornbacher seitens der Akademie empfohlen und arbeitete der Künstler von 1912-1914 in Budapest als Bildhauer. Gleich zu Beginn des Weltkrieges (Oktober 1914) starb der Künstler den Heldentod an der russischen Front.

Ebenfalls Bildhauer und Zögling der ehemaligen Fachschule in Gottschee, die so manchen noch, wenn sie nach dem Umsturze nicht aufgelassen worden wäre, zu Existenz und Namen wohl verholfen haben würde, ist Josef Hutter zu nennen. Hutter, ein Sohn des gewesenen Spenglermeisters Hutter in Gottschee, ging nach Absolvierung der Fachschule nach Amerika, errang sich dort eine schöne Position als Leiter einer Stukkaturfirma. Gegenwärtig lebt Hutter in Los Angeles als Bildhauer von Ruf. Wie der Vater, soll auch Hutters Sohn ein äußerst tüchtiger Bildhauer sein und lohnenden Verdienst in jenem Lande finden, das so manchen Gottscheer zur zweiten Heimat wurde.

Noch möchte der Verfasser seines hochbegabten jüngeren Bruders Georg Ruppe, geboren in Warmberg, Gemeinde Nesseltal, Erwähnung tun. Erst beim Verfasser, dann beim besten Südtiroler Bildhauer Franz Tavella, als Bildhauer lernend, fiel er einem Unglücke zum Opfer, als eben seine ersten größeren, selbständigen Arbeiten vollendet hatte.

Den Verfasser dieses Artikels, Michael Ruppe, anbelangend, war derselbe ebenfalls Schüler der Gottscheer Fachschule von deren Eröffnung an. Später in Gröden, Tirol, selbständig arbeitend, ging er nach Wien, absolvierte dort die Schule des österreichischen Museums am Stubenring, arbeitete dann in einem Atelier in Deutschland, wo ihn die Mitteilung erreichte, daß das k. k. österreichische Museum anläßlich einer Ausstellung des Museums ihm die Museumsmedaille verliehen habe. Später in Salzburg als Bildhauer selbständig wirkend, ging er zur Malerei über und lebt nun, nach Studien in München und Capri beim Marinemaler Böhme (noch in München tätig) und Studien in der Dachauer Künsterkolonie bei Adolf Hölzl (jetzt Direktor der Stuttgarter Kunstschule), in Salzburg.

(Jubiläums-Festbuch der Gottscheer 600-Jahrfeier 1930)  Michael Ruppe, von Ludwig Kren, 1991

Michael Ruppe war Gründungs- und Ausschußmitglied des Vereins der Deutschen aus Gottschee in Wien; er meldete sich auch in der Konstituierenden Sitzung am 30. März 1891 zu Wort: "Herr Ruppe bemerkte in schön betonter, längerer Rede u. a. besonders, wie bedauerlich es sei, daß seit Jahren die Auswanderung aus der alten Heimat nach fernen Weltteilen . .. bereits in geradezu erschreckender Weise andauert und noch immer neue Opfer dem Sirenen-Rufe folgen . .." Er hoffe, daß es dem Verein gelingen werde, dagegen zu wirken (s. "Mittheilungen des Vereins der Deutschen aus Gottschee", Wien, 15. April 1891). Ruppe erhielt, wie wir dieser Zeitung vom 15. Feber 1892 entnehmen können, eine Auszeichnung des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie, weilte aber damals schon in Westfalen und schied damit (wie der o. a. Nummer zu entnehmen) als Mitglied des Vorstandes aus. Im selben Jahre 1892 noch wählte er Salzburg zu seinem Wohnsitz, blieb aber weiterhin als außerordentliches Mitglied dem Verein verbunden, der ihn 1921, anläßlich der 30-Jahr-Feier, zum Ehrenmitglied ernannte. Wie wir dem Protokoll vom 11. März 1928 entnehmen können, weilte der Künstler zu Besuch in Wien.

Am 2. Juni 1933 wird vermerkt, daß er dem Verein zwei künstlerisch ausgeführte Ansichtskarten vorgelegt hat, und zwar eine Stadtansicht und eine mit der Gottscheer Kirche (s. für letztere Gottscheer Zeitung, 1973, Jänner, Kulturseite I).

Der Verein kaufte 500 Stück davon an. Später übersandte er drei Bilder, deren Erlös dem Fonds zur Errichtung eines Altersheimes in der Stadt Gottschee zugute kommen sollte. Und für den 2. Dezember 1933 lud der Künstler zu seiner Ausstellung im Schloß Mirabell in Salzburg ein.

Die Stadt Salzburg verlieh dem anerkannten Künstler am 12. Dezember 1933 "taxfrei" das Bürgerrecht, sie zeichnete ihn auch mit der Silbernen Medaille aus. Der am 24. März 1863 - lt. Gottscheer Zeitung 1955, Dezember, S. 2, in Schäflein Nr. 3; lt. Gottscheer Kalender 1930, S. 135, in Warmberg - geborene Landsmann Akademischer Maler Michael Ruppe starb am 10. März 1951 in Salzburg. Die Stadtverwaltung gab ihm ein Ehrengrab auf dem Salzburger Kommunalfriedhof.

(100 Jahre Gottscheer Landsmannschaft in Wien, Ludwig Kren, Festschrift 1991)